Nattokinase
Ein fibrinolytisches Enzym aus fermentierten Sojabohnen (Natto). Am besten belegt ist eine moderate Blutdrucksenkung; die viral verbreitete Behauptung, Nattokinase könne Gefäßplaques auflösen, ruht dagegen auf schwacher (retrospektiver) Evidenz — die hochwertigste RCT fand keinen Effekt auf die Arterienverkalkung.
Wirkungsweise
Nattokinase ist ein Enzym, das beim Fermentieren von Sojabohnen zu Natto durch das Bakterium Bacillus subtilis var. natto entsteht. Im Reagenzglas spaltet es Fibrin — das Netzprotein, das Blutgerinnsel zusammenhält — und regt zudem die körpereigene Gerinnsel-Auflösung an (tPA). Beim Menschen ist der konsistenteste Effekt eine milde Blutdrucksenkung, vermutlich über eine ACE-hemmende Wirkung. Dass es Gefäßplaques auflöst, ist mit hochwertigen Studien nicht belegt.
Dosierung
Maßgeblich ist nicht die Milligramm-Zahl, sondern die Enzymaktivität in FU (Fibrinolytic Units). Präventiv werden meist 2.000 FU/Tag verwendet; Studien mit kardiovaskulären Endpunkten setzten höhere Dosen ein (bis 10.800 FU/Tag). Auf nüchternen Magen einnehmen (ca. 30–60 Min. vor oder 2 h nach dem Essen), damit das Enzym nicht als Verdauungseiweiß abgebaut wird.
Hinweise
Was belegt ist: Eine RCT-Meta-Analyse (6 randomisierte Studien) zeigt eine moderate Blutdrucksenkung (~−3,5/−2,3 mmHg) — der robusteste Befund. Was nicht belegt ist: Die viral zitierte chinesische Studie mit 1.062 Teilnehmern (Chen 2022), die eine Plaque-Regression von bis zu 36 % berichtet, war retrospektiv und hatte keine echte Placebo-/Kontrollgruppe (die „Kontrolle" bekam nur eine niedrigere Dosis) — sie kann keine Ursache-Wirkung belegen. Die hochwertigste Evidenz, die randomisierte, placebokontrollierte NAPS-Studie (Hodis 2021, 265 TN, 3 Jahre), fand keinen Unterschied bei der Intima-Media-Dicke oder Gefäßsteifigkeit. Bei den Blutfetten ist die RCT-Lage gemischt bis ungünstig. Behauptungen zum Abbau viraler „Spike-Proteine" stammen aus Reagenzglas-Versuchen ohne Beleg im Menschen. WICHTIGE SICHERHEIT: Nattokinase greift in die Blutgerinnung ein. Wer Blutverdünner nimmt (Marcumar/Warfarin, Apixaban, Rivaroxaban, hochdosiertes ASS) oder eine Gerinnungsstörung hat, darf es nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden — sonst drohen gefährliche Blutungen. Kein Ersatz für Statine oder andere erprobte kardiovaskuläre Therapie. Einordnung: interessant bei Blutdruck, beim Plaque-Versprechen überschätzt.



